Historische Campusführung

Campusführung in Passau

Unsere neue Hochschulgruppe Esach Passau hatte am Freitag (09.06.2017) ihre erste gemeinsame Veranstaltung gehabt, eine historische Uniführung.

 

Wer allerdings schon bei den Wörtern „historische Führung” abschaltet, weil er Langeweile vermutet, irrt fürchterlich. Neben zahlreichen kleinen Anekdoten und spannenden Hintergrundinformationen über die bewegte Geschichte der Universität Passau wurden auch verschiedene Mysterien und Rätsel des Campus gelüftet - Warum ist das Philosophicum rot gestrichen oder warum steht vor unserer Universität eigentlich eine rote Telefonzelle?

Wer sind wir?

Der Reihe nach - wer sind wir überhaupt und was machen wir? Wir von Esach (European Students for Cultural Heritage) sind seit 2017 die neue Hochschulgruppe der Universität Passau. Wir möchten uns für Europas kulturelles Erbe einsetzen und Aufmerksamkeit auf das vom Europäischen Parlament beschlossene Kulturerbejahr 2018 lenken, um einen interkulturellen Dialog führen zu können und um eine gemeinsame, europäische Identität zu bestärken. In diesem Sinne ist unsere historische Campusführung der Versuch, unseren eigenen universitären Wurzeln hinterher zu spüren, um vom tieferen Verständnis des kleinen Passau ausgehend die große Idee Europas besser nachvollziehen zu können.

 

 

 


Und damit zur Führung, die an einem heißen Freitagnachmittag pünktlich mit dem Eintreffen unseres Uniarchivars Mario Puhane (Bild oben rechts) begann, der es sich trotz knallenden Sonnenscheinund erstickender Hitze nicht nehmen ließ, eine lange Hose, Hemd und Krawatte zu tragen. Mit viel Enthusiasmus und detailverliebten Anekdoten führte er unsere Gruppe von West nach Ost, vom Philosophicum zum Sportplatz und geschickt von der Gegenwart in die bewegte Vergangenheit.

Leicht zu übersehen

Wer von der Innwiese kommend die Treppe zum Philosophicum hochsteigt, wird oben auf der linken Wandseite eine runde, metallische Beschriftung finden, auf welcher „1983 BDA” geschrieben steht. Auch wenn es Manchem schwer zu glauben fällt, so gewann das Philosophicum 1983 den bayerischen Fassadenpreis der Bund Deutscher Architekten. In der Begründung hieß es, der Architekt übernähme „für die neuen Vorschläge einige Elemente der Architektur der Vergangenheit als Bezugspunkt in einem Versuch, Identität mit dieser Stadt zu erreichen”, während die rote Farbe hingegen als optisches Symbol für den Beginn der Universität und ihres ersten, eigens-gebauten Gebäudes dient.

 

 

Und eben diese Dualität, Neues an Altes respektvoll anzuknüpfen, um eine neue Identität zu erschaffen, ist eine der Kernideen Europas, der wir uns bei Esach verpflichtet fühlen.  


 

Der drängenden Frage nach der roten Telefonzelle liegt eine ebenfalls interessante und etwas kuriose Geschichte zugrunde.

 

Einfach gesagt war sie ein Studentenprojekt. Nicht aber eines von Kunststudenten etwa, sondern von Wirtschaftsstudenten, die die Telefonzelle nach einem Auslandsaufenthalt als Symbol für die Auslandsverbundenheit der Universität importierten und aufstellen wollten. Statt der ausgewählten wurde jedoch eine beschädigte Zelle geliefert, welche in der Lackiererei erneuert werden sollte. Dort kippte sie allerdings um und zerbrach in unzählige Teile, sodass die Lackiererei letztendlich auf eigene Kosten eine zweite rote Telefonzelle nachbestellte, welche seit 1990 ihren ikonischen Platz an unserer Universität genießt.

 

 

Übrigens: Rund 2000 roter Telefonzellen stehen heute im Vereinigten Königreich unter Denkmalschutz, sodass wir mit Fug und Recht von einem importierten Kulturerbe sprechen können, das schon seit über zwei Jahrzehnten ein fester Bestandteil des universitären Bildes ist. 

Unter derartigen Erzählungen wurde aus der für eineinhalb Stunden geplanten Führung eine dreistündige Tour über den ganzen Campus, welcher bereitwillig und gerne beigewohnt wurde, was zum Großteil unserem sympathischen Guide zu verdanken ist - an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Herrn Puhane. Uns wurden neue Perspektiven aufgezeigt und spannende Einblicke in die oftmals einfach übersehenen Kunstwerke und Gebäude gegeben, die den Raum für unser Studentendasein bilden. 

Verborgene Geschichte