Kick-Off field trip to Munich on April 22

ESACH Passau at University of Passau Activities Fair, May 3, 2017

Campusführung in Passau

von Robin Beil

Unsere neue ESACH Hochschulgruppe an der Universität Passau hatte am Freitag (09.06.2017) ihre zweite gemeinsame Veranstaltung organisiert, eine historische Uniführung.

 

Wer allerdings schon bei den Wörtern „historische Führung” abschaltet, weil er Langeweile vermutet, irrt fürchterlich. Neben zahlreichen kleinen Anekdoten und spannenden Hintergrundinformationen über die bewegte Geschichte der Universität Passau wurden auch verschiedene Mysterien und Rätsel des Campus gelüftet - Warum ist das Philosophicum rot gestrichen oder warum steht vor unserer Universität eigentlich eine rote Telefonzelle?

Wer sind wir?

Der Reihe nach - wer sind wir überhaupt und was machen wir? Wir von ESACH (European Students for Cultural Heritage) sind seit 2017 die neue Hochschulgruppe der Universität Passau. Wir möchten uns für Europas kulturelles Erbe einsetzen und Aufmerksamkeit auf das vom Europäischen Parlament beschlossene Kulturerbejahr 2018 lenken, um einen interkulturellen Dialog führen zu können und um eine gemeinsame, europäische Identität zu bestärken. In diesem Sinne ist unsere historische Campusführung der Versuch, unseren eigenen universitären Wurzeln hinterher zu spüren, um vom tieferen Verständnis des kleinen Passau ausgehend die große Idee Europas besser nachvollziehen zu können.

Und damit zur Führung, die an einem heißen Freitagnachmittag pünktlich mit dem Eintreffen unseres Uniarchivars Mario Puhane (Bild oben links) begann, der es sich trotz knallenden Sonnenscheinund erstickender Hitze nicht nehmen ließ, eine lange Hose, Hemd und Krawatte zu tragen. Mit viel Enthusiasmus und detailverliebten Anekdoten führte er unsere Gruppe von West nach Ost, vom Philosophicum zum Sportplatz und geschickt von der Gegenwart in die bewegte Vergangenheit.

Leicht zu übersehen

Wer von der Innwiese kommend die Treppe zum Philosophicum hochsteigt, wird oben auf der linken Wandseite eine runde, metallische Beschriftung finden, auf welcher „1983 BDA” geschrieben steht. Auch wenn es Manchem schwer zu glauben fällt, so gewann das Philosophicum 1983 den bayerischen Fassadenpreis der Bund Deutscher Architekten. In der Begründung hieß es, der Architekt übernähme „für die neuen Vorschläge einige Elemente der Architektur der Vergangenheit als Bezugspunkt in einem Versuch, Identität mit dieser Stadt zu erreichen”, während die rote Farbe hingegen als Reminiszenz an das "Böhmische Rot" des Herberstein-Palais in der Passauer Altstadt für den Beginn der Universität und ihres ersten, eigens-gebauten Gebäudes dient.

 

Und eben diese Dualität, Neues an Altes respektvoll anzuknüpfen, um eine neue Identität zu erschaffen, ist eine der Kernideen Europas, der wir uns bei ESACH verpflichtet fühlen.


Der drängenden Frage nach der roten Telefonzelle liegt eine ebenfalls interessante und etwas kuriose Geschichte zugrunde.

 

Einfach gesagt war sie ein Studentenprojekt. Nicht aber eines von Kunststudenten etwa, sondern von Wirtschaftsstudenten, die die Telefonzelle nach einem Auslandsaufenthalt als Symbol für die Auslandsverbundenheit der Universität importierten und aufstellen wollten. Statt der ausgewählten wurde jedoch eine beschädigte Zelle geliefert, welche in der Lackiererei erneuert werden sollte. Dort kippte sie allerdings um und zerbrach in unzählige Teile, sodass die Lackiererei letztendlich auf eigene Kosten eine zweite rote Telefonzelle nachbestellte, welche seit 1990 ihren ikonischen Platz an unserer Universität genießt.

 

Übrigens: Rund 2000 roter Telefonzellen stehen heute im Vereinigten Königreich unter Denkmalschutz, sodass wir mit Fug und Recht von einem importierten Kulturerbe sprechen können, das schon seit über zwei Jahrzehnten ein fester Bestandteil des universitären Bildes ist.


Unter derartigen Erzählungen wurde aus der für eineinhalb Stunden geplanten Führung eine dreistündige Tour über den ganzen Campus, welcher bereitwillig und gerne beigewohnt wurde, was zum Großteil unserem sympathischen Guide zu verdanken ist - an dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Herrn Puhane. Uns wurden neue Perspektiven aufgezeigt und spannende Einblicke in die oftmals einfach übersehenen Kunstwerke und Gebäude gegeben, die den Raum für unser Studentendasein bilden.

Verborgene Geschichte

ESACH Auftaktveranstaltung am 6. Juli 2017

von Robin Beil

Am 06. Juli 2017 eröffnete die European Students’ Association for Cultural Heritage mit einem Vortragsabend ihre Vorbereitungen auf das Europäische Kulturerbejahr 2018. Unsere Referenten spürten in ihren Beiträgen zum Thema „Kulturerbe gleich Europäische Identität?” der Frage nach, inwiefern das europäische Kulturerbe zu einer gemeinsamen Identität als Europäer beitragen kann.

 

Kulturerbe als Identitätsbaustein

 

Eröffnet durch die Präsidentin der Universität Passau, Prof. Dr. Carola Jungwirth, wurde der zentrale Gedanke des Abends vor den Zuhörern ausgebreitet: Die eigene Geschichte zu verstehen, um die eigene Identität zu ergründen und um einen interkulturellen Dialog knüpfen zu können.

In seinem Impulsvortrag sprach der Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Herr Bernd Sibler, unter anderem über die Rolle des Kulturerbes in Bayern sowie die deutsch-österreichische Kooperation im Bereich des kulturellen Erbes.

 

Festvortrag „Mein Europa – Kulturelles Erbe und Identität“

 

Fast jeder wird bei sich zuhause Postkarten in einer Schublade oder einem Schuhkarton aufbewahren, die mit ikonischen Wahrzeichen bedruckt sind. Und wohl die meisten werden schon einmal als Kulturtouristen mit Handykamera oder Fotoapparat ausgerüstet durch Europa gereist sein, um architektonisch herausragende Gebäude und geschichtsträchtige Straßenzüge abzubilden. Die Erfahrungen werden anschließend oftmals in Tagebüchern notiert, in Blogs der Öffentlichkeit zugänglich gemacht oder gar als Reisetagebücher publiziert.

 

So stellte auch Herr Prof. Dr. Schmale in seinem Festvortrag „Mein Europa – Kulturelles Erbe und Identität“ die individuelle Auseinandersetzung mit dem europäischen Kulturerbe in den Mittelpunkt. Der von der Universität Wien angereiste Historiker erklärte den Zuhörern zunächst die Entstehung des im 18. Jahrhundert entwickelten Begriffes der „Kultur Europa“ im Singular.

 

Eine besondere Rolle für die Verbreitung des Gedankens der „Kultur Europa“ hätten schon immer Reisende gespielt, die individuelle und sinnliche Kulturerfahrungen machten, darüber Tagebuch führten oder Aufzeichnungen anfertigten und damit das kulturelle Erbe bewahrten. Die Kultur Europa entstehe in einem selbstreflexiven Prozess, der von Individuen getragen werde. Jeder Einzelne trage zur Kultur Europa bei, was im Begriff „mein Europa“ zum Ausdruck komme. Professor Schmale plädierte daher dafür, das Europäische Kulturerbejahr 2018 besonders auch für diese individuelle Auseinandersetzung mit Europa und seinem kulturellen Erbe zu nutzen. Der Historiker betonte jedoch, das die individuelle Erfahrung des kulturellen Erbes keine auf Europa beschränkte, sondern eine globale Sache sei, was im Status „Weltkulturerbe“ zum Ausdruck komme.

 

In der individuellen Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe stecke allerdings auch die Pflege einer „Erbe-Kultur“. Diesen Begriff erklärte Professor Schmale am Beispiel einer Moschee in Sofia: „Erbe-Kultur“ sei die Pflege von Ausgrabungsstätten und historischen Gebäuden in ganz Europa, die darauf ausgerichtet sei, unterschiedliche Nutzungen eines Bauwerks (zum Beispiel erst Kirche, dann Moschee), gleichberechtigt sichtbar zu machen. Damit stünden auch mehrere Zeitschichten und einst als „fremd“ oder „nicht fremd“ Betrachtetes gleichberechtigt nebeneinander. Die „Erbe-Kultur“ sei als eine „Kultur der Restitution“ mit Nationalismus nicht vereinbar, der gerade eine Unterteilung in „fremd“ und „nicht fremd“ vornehme. Europäer im Sinne einer Identität sei, wer der Philosophie der „Erbe-Kultur“ folge.

 

Ausblick

 

Den Ausblick gab schließlich Herr Dr. Uwe Koch vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Er wies auf das bevorstehende „Kulturerbejahr 2018“ hin, welches in Anbetracht von Ereignissen wie dem Brexit neue Relevanz und große Aktualität gewonnen hat, indem es die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund rückt. Unter dem Motto „Sharing Heritage“ bietet die Projektplattform Organisationen und Institutionen einen Rahmen, um ihre Beiträge zum Kulturerbejahr vorzustellen. Herr Dr. Koch stellte einige dieser kommenden Projekte kurz vor und ging auf die kommenden Auftaktveranstaltungen zum Kulturerbejahr auf Bundes- und Europaebene ein.

 

Danksagung

 

Als European Student’s Association for Cultural Heritage bedanken wir uns herzlich bei den Referenten des Abends für die vielfältigen Anstöße zur Auseinandersetzung mit dem Thema „Kulturelles Erbe und europäische Identität“. Wir danken auch unseren Förderern und Sponsoren, die uns bei der Umsetzung des Abends unterstützt haben.

 

Weiterführende Links

 

Der Vortrag von Prof. Dr. Schmale ist hier abrufbar:

http://wolfgangschmale.eu/mein-europa-kulturelles-erbe-und-identitaet/

Preserving what connects us - Passau MONUMENTdialogue in the European Year of Cultural Heritage 2018

In January 2018, ESACH Passau hosted its first lecture evening!

Europe is changing: With the European Year of Cultural Heritage 2018, the preservation of our cultural heritage is once again at the centre of public attention. The context in which this year stands is a special one: a changing, crumbling Europe, the search for what unites us, a new concept of home, the responsible experience of our grown history, which shapes our identity and sense of values and embodies our artistic and historical achievements.

Preserving the unifying:  Monuments connect people across national borders and generations.  They create identity, shape the sense of values, are living places of remembrance, landmarks, memorials or places of refuge.  Monuments are more than just stones - they are the basis of life.  At the same time, monuments are often also cultural areas of reflection, arising from the exchange of different countries, religions or new findings.  How we deal with what monuments tell and testify - this is part of our European community, unites and points the way to our future!

So we asked the question: "Preservation of monuments: still up to date?" In a dialogue with our speakers (Prof. Dr. Wilfried Lipp and Prof. Dr. Egon Johannes Greipl), both proven experts from Germany and Austria, we went on a search for traces of the origins of the preservation of monuments as a cultural idea, whose status as a scientific task and public responsibility are to be determined in the present time.

ESACH Passau - Partner and Reporter of the German National Committee of ICOMOS during the EYCH 2018

The European Students' Association for Cultural Heritage (ESACH) at the University of Passau is pleased to announce that Prof. Dr. Jörg Haspel, President of the German National Committee of ICOMOS, recognized the cooperation within the framework of the European Year of Cultural Heritage 2018 in the latest newsletter. ESACH Passau will be able to report on various ICOMOS events during EYCH 2018 on invitation of the Committee.